Umgezogen Samstag, Mai 23 2009
Unkategorisiert 23:01:38
Die frühe Verführte Montag, Mai 4 2009
gereimte Lyrik Lyrik, Meer, Verführung 19:49:12
So kommt es gelogen,
das seelige Heim
So kommt es gelogen;
die Seele im Keim
von den Spießen gezupft
und immer nur dein
zum schaschlicker Stigma
und Bernstein gegreint
krönt ein meergoldnes Sigma
die Perlengeschwüre.
Die frühe Verführte der Meere
peitscht sich die Gischt
in die Leere
nur wolken Sonntag, Apr 26 2009
gereimte Lyrik Lyrik, Wolken 10:52:01
heute seh ich die wolken
und sehe die wolken nur
am himmel stehn sie versteinert
kein kommen und gehn, keine spur
keine schäfchen aus sehnen, kein träumen
kein schleier phantasmagorie
ich sehe am himmel die wolken
und sehe nur sie
Der Zeitwandler Freitag, Apr 24 2009
Prosa Abseits, Prosa, S 18:57:05
Als ich ihn das erste mal sah, warnte er mich vor den Stolpersteinen in der Einkaufsstraße der Innenstadt. Direkt danach sagte er: “Ich wäre gerne Anwalt für Transzendentalrecht geworden. Ich würde die Zeit wegen gefährlicher Körperzersetzung verklagen“ Seine Augen zogen immer einen faserigen Schweif hinter sich her, was auf eine schaurige Weise an den Tanz der Feuerquallen erinnerte. Sein Blick schien alles zu berühren. „Ich sehe nicht mehr als andere“, sprach er einmal, während er meine Gedanken las, „nur in mehr Dimensionen“. Oftmals wusste er gar nicht, welcher Tag oder welches Jahr war. Später glaubte er überhaupt nicht mehr an Kalender. „Die Zeit ist gefüllt mit unordentlichen Daten. Das Einzige, was ihr Gefüge zusammen hält, ist, dass jeder denkt, wir würden an einem Zeitstrang entlang kötern, vorwärts laufen, irgendwohin.“ Er sprach im Gemeinen über alles und vertrat immer eine radikale Meinung. Nur die Liebe rührte er nicht an. Ein einziges Mal erwähnte er beiläufig: „Weißt du, ich habe nie geliebt. Manche Dinge sind zu kostbar, um sie mit der Wirklichkeit zu beschmutzen.“ An diesem Tag hustete er auch das erste Mal Blut. Als er mein besorgtes Gesicht sah, flüsterte er mildtätig: „Endlich wehrt sich Gott, die feige Sau.“ Im Laufe der Jahre verwandelte er sich. Wobei er eigentlich gleich blieb: Ein versoffener Philosoph der Enge. Aber seine Sprache änderte sich. Sie wurde immer klarer und schlichter. Zuletzt wusste man nicht mehr, ob er wie ein Kind sprach, oder für Kinder. Er sagte einmal: „Ich bin greis geboren worden, um jetzt ein Kind zu sein.“ Wenige Wochen später kam sein Ende. Als er sprach, “Alles wird alt, mein Freund, auch das Sterben”, verschluckte er sich an seinen Gedanken. Auf seinem Grab stand kein Name und kein Datum. Es war bloß ein Stein. Ein Stolperstein unter Gräbern.
Unter dem Eis Freitag, Apr 24 2009
ungereimte Lyrik 17:01:03
Wie gespiegelt, tiefseetaumelnd
Ozeane Eis, darunter Du
im Damals, darüber Welt
Falte die Steine zur Tiefe
Jahrhunderttupfer
Falte zum Perlmut-Soldaten
10-Finger-Legionen gefenstert
Unter dem Eis ist kein Eis mehr Erinnern
nur du, im Gedächtnis der Mohnblüte
Kufenerinnerungen
Lichtgefüllte Risse Himmel
Der Horizont ist kein lärmender Hall
Wolkenerinnerungen
Lichttrübes Tänzerbalett
Die Prima im Prisma gesplittert
Ein Schatten am Grund der See
bleibt Ereignisgestotter
Das Schweigen Maries Donnerstag, Apr 16 2009
Prosa 20:23:50
Kaspar Nibel fand sie im Feld liegend, ihr rotes Haar mit Rapsblüten beschmückt. Die langen Schatten der schaukelnden Stengel tanzten auf ihrem bleichem Gesicht. Zuerst dachte er, sie wäre eine Puppe, dann sie sei tot und am Ende war er sich gar nicht mehr sicher. Eigentlich sah sie ganz unversehrt aus. Keine erkennbaren Verletzungen. Doch ihre Haut war grau, ihre Pupille ein erstarrter, riesiger Kreis, der keinerlei Reaktionen auf die Sonne, die in das Spiel der Rapsstengel gelegentlich eintauchte und ihre Augen benetzte, mehr zeigte. Langsam näherte sich Nibels Daumen und Zeigefinger ihrem Hals um den Puls zu ertasten. Dann ruckte ihr Oberkörper auf. Er konnte seinen Herzschlag mit ihren lautlosen Atemzügen um die Wette rasen hören.
Wortlos nahm sie die angebotene Wasserflasche und setzte sie an den Mund. Große Teile der Flüssigkeit rannen an ihren Mundwinkeln hinunter und blieben als vorrübergehende, dunkle Akzente auf ihrem weißen Sommerkleid haften. Sie trug ein verdrecktes Plastikbändchen am Arm, dass Nibel aus Krankenhäusern kannte. Identifizierbar war nur der Anfang: Marie.
Er fragte Marie, wo sie her kam, was sie hier machte, ob es ihr gut ging, wie das Wetter wohl werden würde und ob sie ein Eis wollte. Auf keine Frage bekam er eine Antwort. Besorgt bückte er sich runter um ihr aufzuhelfen. Ihre riesigen Pupillen blickten durch ihn hindurch. Er zögerte. Schließlich erhob sie sich von alleine, machte sich nicht die Mühe ihr Kleid sauber zu klopfen und ging auf Nibel zu. Er wich aus und platzierte sich neben ihr, diktierte ihren Schritt, in dem er einpaar Meter vor ihr ging und führte sie so aus dem Rapsfeld hinaus auf die Landstraße.
Der Asphalt deutete in die Ewigkeit und verlor sich im Horizont. Doch dieser Horizont war anders. Nibel kniff die Augen zusammen, erklärte Marie beiläufig, dass er nicht wisse, wo sein Auto ist, was nicht daran läge, dass er vergessen hätte, wo es stehen würde, sondern daran, dass es einfach nicht mehr da war, und fixierte den schwarzen Fleck, der an der Stelle, an der die Asphaltewigkeit verschwamm, zu kleben schien. Er wackelte mit dem Kopf hin und her. Doch der Fleck war scheinbar wirklich da und keine launische Spielerei seiner Sehnerven. Er zuckte leicht mit den Achseln und schlug Marie vor, die Landstraße entlang zu gehen, bis man auf eine Siedlung treffen würde. Ihr Schweigen, und dass sie ihm folgte, betrachtete er als Zustimmung. Er wählte die Richtung mit dem horizontalem Makel vermutlich nur aus Neugierde.
Nach einer halben Stunde begann eine unbestimmbare Unruhe in Nibel zu enstehen. Marie schwieg noch immer. Die Straße schien endlos von Rapsfeldern umgeben zu sein. Keine Siedlung kündigte sich an und nicht ein einziges Auto war ihnen begegnet. Die einzige Veränderung, die gegenwärtig schien, war der Fleck. Er wuchs.
Nach weiteren 5 Minuten fiel ihm ein Plastikkasten am Straßenrand auf. Als sie sich ihm weiter näherten, verwandelte er sich in eine Art Notfalltelefon. Nibel klappte den Verschluss hoch, nahm den Hörer ab und hielt ihn sich an sein Ohr. Sein Gesicht verzerrte sich und der Hörer baumelte in der Luft. Vorher ließ Nibel ihn fallen. Erneut griff er nach ihm. Diesmal hielt er die Hörmuschel nicht direkt an sein Ohr. Ein extrem lautes, schnelles, metallisches Klopfen, fast ein Hämmern, dröhnte aus dem Gerät. Nibel schrie Fragen und Aufforderungen in die Sprechöffnung, doch bewirkte nichts. Verwirrt hängte er den Hörer wieder auf, schloss die Klappe, blickte zu Marie – und vergaß zu atmen. Ihre Venen waren blau geworden. Er musterte sie besorgt, sie starrte vielleicht in Nibels Nasenlöcher oder in seinen grauen Bart. Es gab kein Anzeichen dafür, dass die Veränderungen an dem Mädchen irgendwelche Einflüsse auf ihre Verfassung hatten. Als Nibel sich wieder in Bewegung setzte, folgte sie ihm wortlos. Er ging ein wenig schneller, denn das metallische Klopfen war noch da. Die Entfernung zu ihr wuchs und sie stolperte manchmal – auf der Straße und in seinem Gewissen.
Eine weitere halbe Stunde später war die Welt die gleiche geblieben. Nur der Raps schien ihm nun spottend mit seinen wankenden Windhälsen zu winken. Der Asphalt wirkte wie Sand unter seinen Füßen. Marie war gut 20 Meter hinter ihm. Die Distanz beruhigte ihn ein wenig. Doch ihre Füße schlürften über den Asphaltsand im Takt des metallischen Klopfens. Es war ein wenig lauter geworden. Der Fleck am Horizont war wieder gewachsen. Es fiel Nibel schwer zu sagen, ob er tatsächlich wuchs, oder er ihm einfach nur näher kam und sich so seine wahren Ausmaße offenbarten. Dann süßlicher Geruch. Er wich erschrocken zur Seite aus. Unbewusst war er stehen geblieben, als er über das Gebilde am Horizont nachdachte und Marie wäre fast gegen ihn gestoßen. Ihm wurde bewusst, dass er sie nicht ein einziges mal berührt hatte. Was am Anfang zufällig war, wurde nun zu einem inneren Trieb, der aus einer Art Furcht entstand. Ihr Schweigen und ihre merkwürdige körperliche Verfassung machten sie zu etwas Beängstigendem. Das er sie im Rapsfeld fast berührt hätte, jagte ihm eine Gänsehaut nach der anderen über den Körper. Er wich einige Meter zurück und blickte sie an. Ihre Haut war nun fleckig. Rot. Grün. Violett. Abstrakte Gelbtöne. Ihr Kleid war an einigen Stellen gerissen und Fäden hingen hinunter. Mittlerweile war er sich sicher, dass sie ihm nicht folgte. Sie ging auf ihn zu. Nibel rannte um einen größeren Abstand zu erzeugen. Nach einiger Zeit blieb er stehen und schnappte nach Luft. Er sah sie als eine kleine Miniatur hinter sich, hörte ihre schlürfenden Schritte und das stetig schwellende Metalhämmern folgte ihr.
Allmählich fand er ein wenig Ruhe, sie war weit weg und erschien nun nur noch unwirklich. Nur eine Person in weiter Ferne. Der Fleck wurde immer größer. Mittlerweile reichte er weit in den Himmel und Nibel musste den Kopf in den Nacken legen, um seine Größe erfassen zu können. Er wusste, dass hier die Erlösung lauerte, dass Marie dort, an dieser Änderung im Gefüge der Wirklichkeit, keine Macht und keine schlürfenden Schritte mehr haben würde. Eine innere Ruhe durchfuhr ihn und er lächelte erleichtert.
Er stand vor dem Fleck und seine Stimme überschlug sich panisch, während er sprachähnliche Zweifel gackerte. Er stand vor dem Fleck – und er versperrte den Weg. Die goldbekronten Rapsblüten wiegten im Wind. Nibel kauerte sich zusammen, lehnte sich gegen die Wand aus Schwärze, er spürte dabei keinen konkreten Widerstand, aber fiel auch nicht nach hinten. Schlürfende Schritte, und immer dieses metallische Schreien der Hämmer. Ihre Haut löste sich, ihr Gesicht umwehte die Unwirklichkeit eines Grinsens. Doch er wusste, sie lächelte nicht. Das waren bloss die Gesichtsmuskeln, die sich anspannten und in Starre verfielen. Ihr Kleid verlor alle Stofflichkeit, löste sich auf. Sie war nackt. Ihr Körper schien wie bunt angemalt. Vom Schnitter selbst mit Fingerfarben verziert. Cadaverin kroch in seine Nase. Auf seinem Schoß saß die nackte Marie. Sie beugte sich zu ihm..
Kaspar Nibel fand sich im Feld liegend, sein graues Haar mit Rapsblüten beschmückt. Er stand auf, trocknete seine Stirn mit einem Tuch. Er fand seinen Wagen am Straßenrand. Als er den Platz verließ und dem stotterndem Motor lauschte, bemerkte er ein metallenes, klopfendes Geräusch. Es wird lauter werden.
Das ohrenbetäubende Klopfen der pulsierenden Magnetfelder hämmerte in seinem Kopf. Das MRT-Gerät schien ihm wie ein riesiger Verstärker, der direkt an seine Knochen angeschlossen war und einen martialischen Beat in sein Gebein zwang. Die Wände des Gerätes schienen näher zu kommen. Doch die Neuroleptika unterdrückten einen Anfall. Ein Mann in Weiß beobachtete einen Monitor. Auf ihm sah man Nibels Gehirn in feinen Scheiben. Zuerst war da nur ein kleiner Fleck, doch er wuchs mit jeder weiteren Schicht, bis eine beachtliche Schwärze, groß wie ein Tischtennisball, in Nibels Gehirn erkennbar war.
Der schwere Wein Sonntag, Apr 12 2009
gereimte Lyrik Lyrik, schwer, Wein 03:13:52
Feuer ohne Licht, da bricht nur Wärme
faserig aus alter Stade Herz.
Trübe-fensterdunstene Taverne:
Meine Übel scheren himmelwärts
Aschefingrig deuten die Phiolen
aller Weine Wärme mich hinein
Um den staubbetatzten Schrei zu holen.
Lass die Sylphenträume bleiern sein.
Sprachfrei Freitag, Apr 10 2009
gereimte Lyrik Freiheit, Lyrik, Sprache 13:03:05
Sprache ist ein missverstandner Schrei
Worte nur ein Weltallfetzen,
Blei in unsren Lungen, tief, der Atem
wie geprügelt, bleiern tragen
wir die Kugel aller Sinne fort ins Nichts
Was bleibt ist nur dein augenstotter-
sprachfreies Gedicht.
Ergebnis Privatinsolvenz an JHWH Sonntag, Apr 5 2009
Fetzen Ergebnis, Fetzen, Insolvenz 15:35:57
kein mai kein juni kein juli kein august kein september
kein oktober kein november kein dezember kein januar
kein februar kein märz kein april kein mai kein juni
kein juli kein august kein september kein november
kein dezember kein januar kein februar kein märz
kein april kein mai kein juni kein juli kein august
kein september kein oktober kein november kein dezember…
Ein Fetzen Zeit Donnerstag, Apr 2 2009
ungereimte Lyrik Fetzen, Lyrik, Nacht, Zeit 21:33:15
Als er sprach,
“Alles wird alt, mein Freund,
auch das Sterben”,
verschluckte er sich an seinen Gedanken
Fast spürbar, wie
Fasern im Wind,
Die Nacht faltbar
aufeinander gepasst
wie die Gußform der Leere
Das Dunkel der Nächte lag schwer,
seine Brust in tausendfach,
träumend, vieltausend gewusst